KAB Wiesbaden

Der Vorsitzende ist Peter Joachim Riedle.

Er ist unter 0611/442402 und riedle.wi@gmx.de zu erreichen.

Gründung

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Wiesbaden blickt 2003 auf fast 100 Jahre Bestehen zurück. Der Verlauf dieser Zeitgeschichte ist angefüllt mit Kämpfen und Opfern, mit trüben und schönen Ereignissen,mit Rückschlägen und Erfolgen. Schon die Gründerjahre waren Jahre des Kampfes. Als sich im Frühjahr 1905 eine Gruppe katholischer Arbeiter zur Gründung eines Arbeitervereins zusammen fand, setzte dies voraus, dass diese Männer von einem großen Idealismus beseelt sein mussten und dass sie viel Mut und einen festen Glauben an eine gute und rechte Sache besaßen, Im Raum Wiesbaden waren die Katholiken über mehr als 200 Jahre lang eine bedeutungslose Minderheit. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs der katholische Volksteil stark an und betrug um die Jahrhundertwende fast ein Drittel der Bevölkerung. Die in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts stürmisch aufstrebende Stadt Wiesbaden hatte sich zu einer Weltkurstadt entwickelt und zog nicht nur wohlhabende Kreise in die schöne Kurstadt, sondern auch Tausende Arbeiter, die hier Existenz und Brot suchten;nicht wenige aus den katholischen Gegenden des Westerwaldes und weit darüber hinaus. In dieser Zeit wirkte in Wiesbaden der weitblickende, sozialgesinnte und volksverbundene Prälat und Stadtpfarrer Dr. Keller. Unter seiner Führung erlebten der Katholizismus und das katholische Vereinsleben einen besonderen Aufschwung. Es entstanden neue Pfarreien, tatkräftige Priester wurden in der Seelsorge eingesetzt. Im Jahre 1901 gelang es Prälat Dr. Keller, das Wiesbadener Volksblatt mit der Rheinischen Volkszeitung in Oestrich zu einer katholischen Tageszeitung unter der Leitung des Buchdruckers und nun mehrigen Verlegers Hermann Rauch zu verbinden. Die Katholiken, die bis dahin im öffentlichen Leben keine Beachtung fanden, erreichten nunmehr beachtliches Ansehen, wozu zweifelsohne die katholische Tagespresse viel beitrug. In den Veranstaltungen der zu dieser Zeit stark ansteigenden Freien Gewerkschaften fanden die Sozialisten die geeignete Gelegenheit, ihre Ideen in die Massen des arbeitenden Volkes hineinzutragen. Neben der Propaganda für den Zukunftsstaat wurde den Massen bei allen Zusammenkünften die Kirche als Beschützerin der Kapitalisten und Volksausbeuter hingestellt und zum Kirchenaustritt aufgefordert. Diese Vorgänge lösten bei den katholischen Arbeitern, die damals schon die stärkste Gruppe der katholischen Bevölkerung waren, große Empörung aus. Sie konnten es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren, weiter Mitglied in diesen sozialistischen Gewerkschaften zu bleiben. Sie drängten danach, sich in eigenen katholischen oder christlichen Organisationen zu vereinigen. Damit kam auch im Wiesbadener Raum die christliche Gewerkschaftsbewegung zum Zuge. Dass neben den christlichen Gewerkschaften auch katholische Arbeitervereine gefordert wurden, ergab sich aus der Erkenntnis, dass die interkonfessionellen Gewerkschaften die erforderliche Erziehungs- und Bildungsarbeit nicht erfüllen konnten. Der inder Kulturkampfzeit ins Leben gerufene katholische Männerverein umfasste zwar die aktive katholische Männerwelt und war neben dem Volks- und Gesellenverein ein starkes Bollwerk katholischer Männer, aber diese Vereine konnten wegen der verschiedenartigen standesmäßigen Zusammensetzung den besonderen Belangen der Arbeiterschaft nicht gerecht werden. So trat das Bestreben zur Gründung eines katholischen Arbeitervereins auch in Wiesbaden immer stärker hervor. Durch die Initiative des Stadtpfarrers Dr. Keller und des Verlegers Rauch errichtete der damalige Volksverein für das Katholische Deutschland wie in vielen anderen Großstädten auch in Wiesbaden ein Volksbüro, mit dessen Leitung der ehemalige Maurergeselle Grafenberger betraut wurde. Grafenberger verstand es, katholische Arbeiter und sozial gesinnte Männer um sich zu sammeln zur Gründung eines katholischen Arbeitervereins, dem sich sofort über 60 Männer anschlossen. Die Gründung war keine leichte Sache und vollzog sich unter schwierigen Kämpfen, weil man auch im katholischen Raum in der Gründung eines Arbeitervereins eine Zersplitterung der Kräfte erblickte. Erst die Erfolge die man auch in anderen Teilen Deutschlands mit der Gründung von Arbeitervereinen gemacht hatte, trugen dazu bei, die Hindernisse und Einwände zu zerstreuen. Der damals in der Bonifatiuskirche tätige Kaplan Gilles wurde zum Präses des im Jahre 1905 gegründeten Katholischen Arbeitervereins bestellt. Unter seiner Führung und unter der regen Mitarbeit des Vorstandes, darunter Arbeitersekretär Grafenberger, die Transportarbeiter Peter Weingärtner und Christian Ochs, Schneidermeister Lenz, Dreifürst, Hisgen, Merkel (der Vater des Generalvikars Merkel), Müller, Pfülb, Sehring und der Angestellte Albert Poth, entfaltete der Verein eine rührige Tätigkeit. In ausgedehnten Schulungs-und Unterrichtskursen wurden die Mitglieder geschult, mit der Ideenwelt der christlichen Sozialreform vertraut gemacht und zur intensiven Werbearbeit angeregt. In kurzer Zeit erreichte der Verein eine Mitgliederzahl von weit über 200 Mitgliedern. Und schon im Jahre 1907 war es möglich,eine Vereinsfahne weihen zu lassen. Das Fest der Fahnenweihe gestaltete sich zu einem besonderen Ereignis der Katholiken in Wiesbaden.

Geschichte

Die Erfolge des aufstrebenden Vereins bewirkten auch, dass in den Betrieben durch die Anhänger des Arbeitervereins sehr aktiv für die Ideen der Katholischen Arbeiterbewegung und der christlichen Sozialreform geworben wurde. Das führte oft zu heftigen Kämpfen mit den Sozialisten. In diesen Kämpfen leisteten die gute Schulungsarbeit und die inzwischen im Verein eingeführte Westdeutsche Arbeiterzeitung wertvolle Dienste. Der Einfluss des Katholischen Arbeitervereins trat auch im katholischen Leben Wiesbadens immer mehr in Erscheinung. Die Zeitumstände brachten es mit sich, dass sich der Vorstand des Vereins auch der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Mitglieder annehmen musste. Es wurde eine Sterbekasse eingeführt. Die Errichtung einer Konsumgenossenschaft sollte ein Gegengewicht gegen die sozialistisch geleiteten Konsumvereine sein. Diese Bestrebungen verschärften allerdings auch die Gegensätze zwischen den katholischen Vereinen. Man warf den Arbeitervereinen vor, dass sie angesteckt wären von sozialistischen Ideen und Anschauungen. Aus den Kreisen des Mittelstandes, der Handwerker und Kaufleute unternahm man Schritte bei den kirchlichen Stellen. Der Umstand, dass sich der Volksvereinssekretär Grafenberger ganz auf die Seite der Arbeiterschaft und ihre Forderungen stellte, veranlasste das Kuratorium des Sekretariates, beim Volksverein Schritte zu unternehmen wegen der Versetzung des Sekretärs. So wurde dann auch Grafenberger durch den Arbeitersekretär Krämer abgelöst. Die Meinungsverschiedenheiten führten dazu, dass der Verein seine Veranstaltungen lange Zeit nicht mehr im Hause des katholischen Gesellen und Lesevereins abhalten konnte, sondern jahrelang in dem gleichen Lokale tagen musste, in dem auch die Freidenker ihre Veranstaltungen hatten und wo an den Wänden die Bilder der Freidenkerbewegung hingen. Viele Jahre standen die katholischen Arbeitervereine im Meinungsstreit von Klerus und Laienwelt, obwohl durch die päpstlichen Verlautbarungen, insbesondere auch durch die Enzyklika "Rerum novarum" den katholischen Arbeitervereinen als Standesorganisationen ganz besondere Erziehungsaufgaben gestellt waren zur Erneuerung der gesellschaftlichen Ordnung. Die Hochwürdigsten Herren Bischöfe von Breslau, Trier und Mainz, die der Meinung waren, dass die Gründung christlicher Gewerkschaften eine Fehlgründung sei, traten mit starkem Nachdruck für die Gründung katholischer Arbeitervereine ein, die zugleich die Aufgaben der Gewerkschaften erfüllen könnten. Diese Widerstreit der Meinungen im deutschen Katholizismus wurde durch die Entscheidung des Heiligen Vaters im Jahre 1911 beendet. Die Entscheidung des Heiligen Vaters besagte, dass die Christlichen Gewerkschaften geduldet werden, jedoch müssten alle katholischen Angehörigen der Christlichen Gewerkschaften zugleich Mitglied eines katholischen Arbeitervereins sein. An die Präsides, die zu dieser Zeit die Vereine zu leiten hatten, wurden durch die Meinungsverschiedenheiten hohe Anforderungen gestellt. Mit der Versetzung des Kaplans Gilles hatte der Katholische Arbeiterverein Wiesbaden einen großen Verlust zu verzeichnen. Es folgten nacheinander als Präses des Vereins die Kapläne Jung, Renz und Kaiser. Die systematische Schulungsarbeit machte es möglich, dass der Arbeiterverein in kurzer Zeit überall seine Vertreter hatte, so bei den Krankenkassen, Versicherungs- und Oberversicherungsämtern, bei den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten, beim Arbeitsamt usw. Neben der Schulungsarbeit wurde das familiär-gesellige Leben eifrig gepflegt. Die alljährlichen Stiftungsfeste und Weihnachtsfeiern fanden guten Zuspruch durch die katholische Bevölkerung Wiesbadens. Die Gründung einer Gesangsabteilung im Verein war ein neues und gutes Werbungsmittel. So erfreute sich der Katholische Arbeiterverein Wiesbaden beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges einer großen Achtung und Wertschätzung unter denKatholiken Wiesbadens auch im Bereiche des öffentlichen Lebens und nicht minder innerhalb der damaligen Zentrumspartei als der politischen Vertretung der deutschen Katholiken. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte, wie alle anderen Einrichtungen auch den Katholischen Arbeiterverein Wiesbaden hart betroffen. Der größte Teil der Mitglieder wurde zum Kriegsdienst eingezogen, wodurch die Vereinstätigkeit immer mehr erlahmte. Kaplan Kaiser wurde als Präses abgelöst durch Kaplan Gottschalk, der sich die größte Mühe gab, den Arbeiterverein über den Krieg hinaus lebendig zu halten. Der erste Weltkrieg hatte große Lücken im Verein hinterlassen. Viele der eifrigsten Mitglieder waren nicht mehr zurückgekehrt. Es war nicht leicht, nach dem Kriege wieder neues Leben im Verein zu wecken. Die wirtschaftliche Not und die Wirren der damaligen Zeit, die sichaus dem Zusammenbruch des Krieges und aus der Räterevolution ergaben, sowie die einschneidenden Maßnahmen der Besatzung behinderten eine erfolgreiche Vereinstätigkeit. Der damalige Arbeitersekretär Krämer musste infolge der politischen Wirren seine Tätigkeit aufgeben. Der Volksverein, der das Volks- und Arbeitersekretariat finanzierte, hatte durch den Krieg so erhebliche Einbußen erlitten, dass er das Volksbüro nicht mehr neu besetzen konnte. Ein großes Hindernis für die Aktivierung des Arbeitervereins nach dem ersten Weltkrieg war aber auch der Umstand, dass die Gewerkschaftsbewegung, die einen beachtlichen Einfluss im öffentlichen Leben erlangt hatte, mehr im Vordergrund stand. Die Sozialisten, die sich bei dem Zusammenbruch 1918 mit den Arbeiter- und Soldatenräten umfangreiche Machtpositionen in den Betrieben, Behörden und beim Staat erworben hatten, versuchten rücksichtslos unter Anwendung von Terror und Gewalt alle Arbeiter in ihre sozialistischen Organisationen zu zwingen. Diese Vorgänge nötigten die katholischen Arbeiter zu einem erhöhten Einsatz für die christlichen Gewerkschaften. Am 1. November 1919 wurde in Wiesbaden ein Büro der Christlichen Gewerkschaften eröffnet und die Leitung Ferdinand Grün übertragen. Es zeigte sich aber bald, dass ohne die Wiederbesetzung des katholischen Arbeitersekretariats die den Katholischen Arbeitervereinen gestellten Aufgaben nicht zu erfüllen waren. Den Bemühungen des Sekretärs Grün gelang es schließlich, den Volksverein zu bewegen, sich an der Wiedereinrichtung eines katholischen Arbeitersekretariates in Wiesbaden finanziell zu beteiligen. Der Schuhmachermeister Sehring übernahm die Leitung des Sekretariates; er musste aber wegen Krankheit bald wieder ausscheiden und ist nach kurzer Zeit gestorben. Der Tod Sehrings war für die Arbeiterbewegung ein schmerzlicher Verlust, weil auch in der damaligen Zeit geeignete Kräfte für die Leitung eines Katholischen Arbeitersekretariates nicht leicht zu finden waren. Nachdem es Sekretär Grün in seiner Tätigkeit als christlicher Gewerkschaftssekretär beschieden war, ansehnliche Erfolge beim Aufbau der christlichen Gewerkschaften zu erzielen, konnte demselben unter Zuhilfenahme von Hilfskräften auch die ehrenamtliche Leitung des Arbeitersekretariates übertragen werden. Die beständige Erhöhung der Mitgliederzahlen in den christlichen Gewerkschaften gab schließlich dann auch die Möglichkeit zur Anmietung eines städtischen Gebäudes (Oranienstraße 5),das als Christliches Gewerkschaftshaus erstand. Diese erfreuliche Entwicklung im Lager der christlichen Arbeiterbewegung wurde Anfang April 1923 jählings unterbrochen, als infolge des sogenannten passiven Widerstandes Sekretär Grün mit seiner Familie von den Besatzungsmächten aus Wiesbaden ausgewiesen wurde. Der im Jahr 1954 verstorbene Peter Weingärtner übernahm während der fast zweijährigen Abwesenheit die Vertretung. In all den politischen und wirtschaftlichen Wirren der Jahre 1919 bis 1925 war es trotz der großen Umsicht und Anstrengungen der Präsides und Vorstände nicht möglich, dass der Arbeiterverein seine frühere Stellung wieder erlangen konnte. Den Bemühungen des leider so früh verstorbenen Arbeitersekretärs Gotthart, Frankfurt und des damaligen Diözesanpräses Geistlicher Rat Pfarrer Lamp, Frankfurt-Niederrad war es zu verdanken, dass im Jahre 1925 das Katholische Arbeitersekretariat in Wiesbaden wieder besetzt werden konnte. Ferdinand Grün wurde hauptamtlicher Arbeitersekretär. Damit war eine Voraussetzung dafür geschaffen, dass die katholischen Arbeitervereine in Wiesbaden und im Rheingau wieder zu neuer Entfaltung kommen konnten. Unter der Führung des damaligen Vereinspräses Kaplan Rudersdorf entwickeltesich wieder neues Leben im Arbeiterverein Wiesbaden. Der ständige Wechsel in der Leitung des Vereins - nach Kaplan Rudersdorf folgte Kaplan Richter- und das Fehlen des jungen Nachwuchses bewirkten aber, dass auch nach der Wiederbesetzung des Sekretariates die Entwicklung des Katholischen Arbeitervereins Wiesbaden nur langsam voranschritt. Inzwischen war es dem späteren Präses Kaplan Wo1f gelungen, dem Verein eine Anzah lJugendlicher zuzuführen. Durch den Beschluss der Verbandszentrale der KAB über die Bildung von Werkjugendgruppen in den katholischen Arbeitervereinen entstand auch im Arbeiterverein Wiesbaden eine lebendige Gruppe der Werkjugend, die wieder neues Leben im Verein entwickelte. Allwöchentlich trafen sich die jungen Mitglieder in den Räumen des Sekretariates unter Führung des Arbeitersekretärs zur Schulung. Ein weiterer erfreulicher Auftrieb setzte ein, als Kaplan Hannappel die Leitung des Vereins übernahm. Unter seiner Führung stieg die Mitgliederzahl erheblich an. Ein hoffnungsvoller Führernachwuchs wurde herangebildet. Die guten Ansätze und Erfolge wurden aber wieder jählings unterbrochen,als im Jahre 1933 Hitler zur Macht kam. Es dürfte noch in aller Erinnerung sein, mit welcher Rücksichtslosigkeit und Brutalität die Spießgesellen Hitlers gegen die Gewerkschaften und konfessionellen Arbeitervereine vorgingen. Zwar wurden die katholischen Arbeitervereine durch das Eintreten der Bischöfe nicht sofort wie die Gewerkschaften aufgelöst oder gleichgeschaltet, aber ihre Wirksamkeit wurde völlig eingeengt. Der Arbeitersekretär wurde wiederholt festgenommen und Verhören unterzogen, das Sekretariat vorübergehend geschlossen. Dem klugen Auftreten des Präses Kaplan Hannappelwar es zu danken, dass der Verein seine Veranstaltungen noch weiterabhalten konnte. Die Mitglieder hielten in diesen Jahren der Bedrängnis mit rührender Tapferkeit treu zur Fahne, bis dann im Jahre 1938 das Verbot und die Auflösung durch die Gestapo erfolgte. Die Vereine wurden ihres Vermögens beraubt und führende Mitglieder der KAB in unserer Diözese und darüber hinaus wurden verhaftet und monatelang festgehalten, darunter der Frankfurter Arbeitersekretär August Kunz und der Gauwerkjugendobmann Hans Wagner. Ferdinand Grün stand unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo. Trotz des Verbots und der Verfolgung haben die Mitglieder des Arbeitervereins in diesen Jahren den Glauben an die Sendung und die Ideenwelt der KAB nicht verloren. Es zeigte sich, dass die jahrelange Erziehungs- und Bildungsarbeit gute Früchte trug. Den Anhängern der KAB war es bewusst, daß der Nationalsozialismus eine Irrlehre war und dass früher oder später der Zusammenbruch kommen musste. Es war deshalb nicht zu verwundern, dass sofort nach dem Zusammenbruch auch in Wiesbaden bei den ehemaligen Anhängern der KAB der Wille zur Wiederbelebung des Arbeitervereins lebendig wurde. Es zeigte sich aber auch, dass sich in den zurückliegenden Jahren beim Klerus und Laienvolk die Anschauungen und Meinungen über Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit katholischer Organisationen sehr geändert hatten. Die geistigen Kämpfe in den verschiedenen problematischen Anschauungen sollen hier nicht Gegenstand der Erörterung sein. Sie waren für die Überzeugungstreue zur KAB erstarkten Anhänger eine große seelische Belastungsprobe. Erst nachdem der Heilige Vater die Wiedererrichtung der Katholischen Arbeitervereine forderte und sich zum Teil auch Deutsche Bischöfe dafür aussprachen, war die Möglichkeit für einen neuen Einsatz gegeben. So wurde dann im Spätjahr 1945 auch der Arbeiterverein in Wiesbaden unter demVorsitz des früheren Werkjugendleiters Fritz Klünspies wieder gebildet. Zum Präses wurde Kaplan Planz von Sankt Bonifazius bestellt, der später Rektor am Sankt-Josefs-Hospital und anschließend Pfarrer der neuen Pfarrei"Zur Heiligen Familie" wurde. Nachfolger von Pfarrer Planz - nachdem der Verein ein Jahr ohne Präses war - wurde 1957 Pfarrer Heinrich Vad, jetzt Pfarrer von "Herz Jesu", Wiesbaden-Sonnenberg. Den Vorsitz des Vereins führte seit 1948 - Georg Braun. Durch die Zeitumstände - wirtschaftliche Not, Ernährungs- und Wohnungssorgen bedingt, konnte die Vereinstätigkeit nach dem zweiten Weltkrieg zunächst nur langsam wirksam werden. Es zeigte sich auch jetzt wieder wie nach dem ersten Weltkriege, dass das jugendliche Element fehlte. Viele hoffnungsvolle Mitglieder sind auch aus dem Zweiten Weltkriege nicht wieder zurückgekehrt. Ein großes Ereignis nach dem Zweiten Weltkrieg war das 50-jährige Jubiläumim Juni 1955. Nach einem feierlichen Levitenamt, das der päpstliche Protonotar, Prälat Wolf, zelebrierte und der damalige Diözesanpräses, Domvikar Alexander Stein die Festpredigt hielt, fand ein Bannerzug zumKolpinghaus statt. Bei dieser Festveranstaltung wurden 7 Mitglieder mit der goldenen Nadel "für 50jährige" und 7 Mitglieder mit der silbernen Nadel "für 25-jährige Mitgliedschaft" geehrt. Nach dem Jubiläum erlebte die KAB Wiesbaden einen Aufschwung. So hatten sie damals als Verein zwei Bundestags- und zwei Landtagsabgeordnete sowie drei Stadtverordnete und einen Stadtrat in ihren Reihen. Das 60- und das 70-jährige Jubiläum wurden in kleinem Rahmen gefeiert. Die Festansprache beim 60-jährigen Jubiläum hielt unser Freund und Mitglied August Weimer (MdB). Beim 70-jährigen Jubiläum wurde wieder eine größere Anzahl von Mitgliedern für 50-jährige und 25-jährige treue Mitgliedschaft geehrt. Es wurde festgestellt, wenn die Arbeiterbewegung in Wiesbaden ihren früheren Stand wieder erreichen sollte, musste noch viel getan werden. Es konnte aber erfreulicherweise festgestellt werden, dass bei Klerus und Laienwelt immer mehr erkannt wurde, dass die sozialen Verbände von entscheidender Bedeutung für das kirchliche und öffentliche Leben waren und sind. Seit der Würzburger Synode wurde das Thema "Kirche und Arbeiterschaft" und die Verwirklichung dieses Synodenbeschlusses in unserem Bistum zu einer wesentlichen Aufgabe des Diözesanverbandes und der Vereine. Die KAB hatte in all den Jahren ihren Mitgliedern und Freunden durch Vorträge und Veranstaltungen das Rüstzeug für das tägliche Leben gegeben. Die dominierende Figur in der Wiesbadener KAB war nach dem Krieg Georg Braun, der 1948 Klünspies als Vorsitzenden ablöste und diese Funktion bis 1988 inne hatte. Sein Nachfolger wurde Peter Joachim Riedle. Seine Stellvertreter sind Herrmann Geil und Maria Reuss, die den Verein auch im Bezirksvorstand vertritt. 1980 wurde festlich in der Kirche zur Heiligen Familie das 75jährige Jubiläum begangen. Die Festansprache hält Diözesanpräses Alois Staudt. 1981 wurde der Versuch unternommen, Biebrich wieder zu gründen und die KAB in Wiesbaden zu intensivieren. 1985 beschäftigte sich die KAB vor allem mit der Situation in der Kirche. Professor Hengsbach referiert zum "Thema Arbeit für wenige - Einkommen für alle". 1991 ging es im Programm um Fragen der katholischen Soziallehre, der Familie bis hin zum Pflegenotstand und die kulturelle Situation in Wiesbaden.

Der Verein heute

Am 1.1.2003 hatte die KAB Wiesbaden 68 Mitglieder. Ursprünglich gab es in Wiesbaden noch einen zweiten Verein in Biebrich, schon 1883 gegründet, der allerdings Anfang der 60-er Jahre aufgelöst wurde. Der Vorstand legt jedes Jahr neben den Angeboten des Bezirksverbandes ein eigenes Bildungsprogramm vor mit verschiedenen Veranstaltungen im zweimonatigen Abstand. Hier wechseln Gesellschaftspolitisches und Themen aus dem kirchlichen Bereich ab; Tradition haben die Rorate-Messe und die Meditation in der Fastenzeit durch den Präses. Darüber hinaus gibt es einzelne gesellige Veranstaltungen und Kontakte zur Arbeitsgemeinschaft kath. Verbände.