KAB Flörsheim

Der Vorsitzende ist Engelbert Kohl.

Er ist unter 06145/25014 und engelbert.kohl@web.de zu erreichen.

Frühe Geschichte

Offensichtlich hatte es vor der eigentlichen Gründung 1906 schon Versuche zur Gründung eines Katholischen Arbeitervereins gegeben. So schrieb Werner Schiele in seinem Buch "Auf roten Spuren" zum 90-jährigen Bestehender Flörsheimer SPD: "Wenige Tage nach Gründung des Sozialdemokratischen Wahlvereins wurde ein weiterer Verein aus der Taufe gehoben, der Katholische Arbeiterverein. Er stellte sich in einem Anschreiben an den Bürgermeister wie folgt vor: 'Der Königlichen Bürgermeisterei mache ich hier durch die Anzeige, daß sich am 3. Juli da hier ein Katholischer Arbeiterverein gebildet hat. In der Anlage füge ich die Statuten des Vereins bei, der hauptsächlich gegründet wurde, um dem Umsichgreifen der Umsturzpartei entgegen zutreten. Johann Gander, Kaplan, Präses des Kath. Arbeitervereins Flörsheim. Weitere Hinweise auf Mitglieder oder Unterlagen aus dem Jahr 1898 gibt es leider nicht. Im Schematismus des Bistums Limburg von 1902 und auch im Almanach der KAB von 1904 (ohne Angabe der Mitgliederzahl) wurde jeweils ein Arbeiterverein für Flörsheim aufgeführt. Ob es sich dabei aber um den 1898 gegründeten Verein handelt, ist nicht mehr auszumachen. Wahrscheinlich ist, dass diesen frühen Versuchen keine Dauerhaftigkeit beschieden war, zumal die jungen Kapläne meist nur kurze Zeit in der Gemeinde verweilten. In den Gründungsunterlagen von 1906 gibt es jedenfalls keinerlei Hinweise auf die frühen Vorgänge.

Gründung

Am 11. November 1906, abends um 20 Uhr, zu einer Zeit, als man hier normalerweise den Beginn der Fastnacht zu begehen pflegte, trafen sich 25 Männer unter der Leitung des damaligen Kaplans Heinrich Sand im Gasthaus "Zur schönen Aussicht" in der Eisenbahnstraße, um einen kath. Arbeiterverein zu gründen. Dass der Verein ins Leben gerufen wurde, setzte voraus,dass der zu dieser Zeit in Flörsheim amtierende Pfarrer und Geistliche Rat Spring frühzeitig die Notwendigkeit eines Arbeitervereins als kath. Standesverein erkannte. Flörsheim war nämlich dabei, bedingt durch die aufstrebenden Industriebetriebe der Region wie Opel und Farbwerke Hoechst sich zu einer Arbeiterwohnsitzgemeinde zu entwickeln. Das Gründungsprotokoll berichtet von einer einstündigen, beeindruckende Rede des Kaplans Müller aus Sindlingen über Zweck und Bedeutung der Arbeitervereine. Den Gründungsvorstand bildeten Präses Kaplan Heinrich Sand, Vicepräses (heute Vorsitzender) Joseph Schneider und die Kollegen Johann Ruppert, Peter Gutjahr und Adam Richter II. als Schriftführer. Angeregt durch die Ausführungen von Kaplan Müller, dass die kath. Arbeitervereine eine von höchst kirchlicher Stelle anerkannte und geforderte religiöse Berufs- und Standesorganisation seien, entfaltete der junge Verein sofort eine rege Vereinsarbeit. Kaplan Sand machte es sich als Präses zur vordringlichsten Aufgabe, die noch kleine Mitgliederschar in regelmäßigen Versammlungen, Vorträgen und Kursen religiös zu festigen und sie in den Bestrebungen des christlichen Standesvereins zu schulen. Ihm gebührt das Verdienst, einen geschulten Mitgliederstamm herangebildet zu haben, der nun tatkräftig draußen im Berufsleben mit der Werbetätigkeit für den Kath.Arbeiterverein beginnen konnte.

Geschichte


Nach der Versetzung des ersten Präses übernahm sein Nachfolger Kaplan Keil das Amt des Präses. Mit großem Eifer und viel Liebe zur Arbeiterschaft führte dieser die Schulungs- und Werbearbeit seines Vorgängers weiter, sodass unter seiner geistlichen Führung ein erheblicher Mitgliederzuwachs zu verzeichnen war. An Themen gab es keinen Mangel. In der Hauptsache fanden sich bei den Veranstaltungen informative Vorträge z.B. über die Arbeit der christlichen Gewerkschaften, verbunden mit der Aufforderung, deren Arbeit zu unterstützen, dann sozialpolitische Themen wie die Krankenversicherung, die Lohnfrage, das Streikrecht, das Verhältnis der Arbeitervereine zu anderen katholischen Vereinen, weiter Stellungnahmen zu allgemeinenpolitischen Tagesfragen, sowie religiöse Themen, insbesondere über Sitte und Ordnung. Als Referenten dienten oft der Präses oder die Arbeitersekretäre (heute Bezirkssekretäre) der katholischen Volksbüros von Wiesbaden und Frankfurt. Aber auch Mitglieder übernahmen es, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Vorträge über wichtige Sachfragen zu halten. So ist z.B. wiederholt davon die Rede, dass der Vicepräses Joseph Schneider und das Gründungsmitglied Martin Mehrfeld erfolgreich und sachkundig referierten. Wichtig war den Mitgliedern auch, und das kommt immer wieder zum Ausdruck, die Beteiligung an Veranstaltungen anderer Flörsheimer Vereine. Man wollte sich nicht, als Arbeiter abgestempelt, isolieren, sondern legte großen Wert darauf, sich als selbstbewusster Partner ins sogenannte bürgerliche Vereinsleben zu integrieren. Die Mitarbeit im Bezirksverband Wiesbaden war für die Entwicklung des Flörsheimer katholischen Arbeitervereins außerordentlich segensreich. Vor allem die Unterstützung, die die Mitglieder durch die Rechtsberatung und durch eine planmäßige Schulungsarbeit im Laufe der Jahre erfuhren, kann nicht hoch genug bewertet werden. Das erste große Fest war die Fahnenweihe am 5. Juli 1908. Für 480 Goldmark hatte eine Mainzer Fahnenstickerei das Prachtstück auf blau-gelber Seide erstellt. Auf der einen Seite trug sie das Bild des heiligen Josef, des Schutzpatrons der Arbeiter, und auf der anderen Seite das Flörsheimer Wappen. An den Ecken waren die Symbole und Grundsätze der Arbeiterbewegung: Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiß, Liebe und Eintracht, Frohsinn und Scherz angebracht. An der Fahnenweihe nahmen neben sämtlichen Flörsheimer Vereinen auch viele auswärtige Brudervereine teil. Das Rahmenprogramm: ein gemeinsamer Gottesdienst, ein Festzug, Kinderbelustigung und ein Festball waren gewiss für viele Beteiligten ein bleibendes Erlebnis. Auch die öffentliche Kundgebung war ein großer Erfolg für die Katholischen Arbeitervereine und die katholische Sache überhaupt. Ein schöner finanzieller Überschuss - das Betreten des Festplatzes kostete für Auswärtige 20 Pfennige und 10 Pfennige für Einheimische - ließ die Kosten für die Fahne nicht mehr ganz so schwer drücken. Dieses Fest brachte auch einen großen Zuwachs an neuen Mitgliedern, sodass der Flörsheimer Arbeiterverein schon recht bald mit den Mitgliederzahlen großer Gemeinden und weit älterer Vereine konkurrieren konnte. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges zählte der Verein knapp 60 Mitglieder und hatte sich dem Westdeutschen Verband in Köln angeschlossen. Doch durchden Krieg und die schweren Nachkriegsjahre erlitt die Arbeit einen starken Rückschlag. Viele Vereinsmitglieder wurden zum Heeresdienst einberufen und so mancher kehrte nicht mehr oder krank nach Hause zurück. In denJahren nach dem Krieg mit der später folgenden Inflationszeit und Arbeitslosigkeit war im Jahr 1926 der Mitgliederstand auf 38 treue Freunde zurückgegangen. In diesen schweren Zeiten führten von 1913 bis 1927 den Vereinsvorsitz die Herren Ludwig Bertling, Quitho Reith, Alexander Platt, Otto Wagner und Peter Bender. Im Jahre 1926 konnten nach einer Werbeaktion die ersten jugendlichen Mitglieder unter 20 Jahren in den Verein aufgenommen werden. Im Januar 1927 ernannte der Präses, Herrn Peter Dieser zum Vorsitzenden des Vereins, der diesen über 30 Jahre führen sollte. Mit glühendem Eifer und großem Idealismus ging Peter Dieser an die Arbeit. Am Ende des Jahres 1927 konnte der Verein 100 Mitglieder buchen. Im gleichen Jahr gründete er innerhalb des Vereins eine Gesangsabteilung von 24 Männern, die unter der Leitung von Lehrer August Großmann gute Fortschritte machte. Ihr guter Ruf war schon bald über Flörsheim hinaus bekannt, und die Sänger waren bei so manchen Bezirksveranstaltungen und Festen von Brudervereinen gern gesehene Gäste. 1928 wurde eine Werkjugendgruppe ins Leben gerufen, welche lange Jahre das Fundament des Vereinslebens bildete. Schulungskurse, religiöse Vorträge, Versammlungen und gesellige Veranstaltungen gaben dem Verein das Gepräge. Am 20. und 21. Juni 1931 wurde auf Beschluss der Generalversammlung das 25-jährige Jubiläum in großer Aufmachung begangen. In einem Zeitungsaufruf rief der Jubelverein zu seinem großen Fest auf und entbot den Festgästen herzliche Grüße. Die Ortspresse forderte die Bürger auf: "Laßt die Festfahnen flattern, dem Jubilar zu Ehren, den Gästen zum Gruß, zum Stolz der Gemeinde". Der Vorsitzende Peter Dieser begrüßte nach einem imposanten Fackelzugd urch die Ortsstraßen in einem riesigen Festzelt die Ehrengäste beim Festkommers. Die Ortsvereine zeigten dem Jubilar ihre Verbundenheit, indem sie eine kunstvoll gestaltete Silberplakette überreichten. In dem feierlichen Hochamt am nächsten Morgen in der St. Galluskirche, die mit den Männern der Kath. Arbeiterbewegung dicht gefüllt war, hielt der Gründer des Vereins, Geistlicher Rat Pfarrer Sand, die Festpredigt. An dem anschließenden Festzug durch die Straßen der Stadt beteiligten sich mehr als 60 Vereine mit ihren Fahnen. Dieser Zug und die Kundgebung am Nachmittag gestalteten sich zum machtvollen Bekenntnis für die Kath. Arbeiterbewegung. Der Festredner, Domkapitular und Geistlicher Rat Merkel, verstand es, die über tausend Zuhörer von der Notwendigkeit der kath. Arbeitervereine zu überzeugen. Einen besonderen Teil seiner Rede widmete der Referent den Zeitproblemen und warnte ganz deutlich vor links- und rechtsradikalen Tendenzen. Seine begeisternden Ausführungen wurden mit großem Beifall belohnt. Man spürte geradezu schon die Atemnot, in die die Weimarer Republik nochkommen sollte. Nach dem Fest konnte der Mitgliederbestand auf 165 erhöht werden.In den folgenden beiden Jahren entwickelte sich der Flörsheimer Verein hervorragend. Es wurde auch sehr viel für die persönlichen Belange der Mitglieder getan. Dies beweist die Tatsache, dass jeden zweiten Samstag im Monat von dem damaligen Arbeitersekretär Ferdinand Grün kostenlos Auskunft erteilt wurde in allen Fragen wie Rentensachen, Sozialversicherung, Krankenkassen, Unfallsachen, Vertretung beim Arbeitsgericht, Anfertigung von Schriftstücken und Gesuchen aller Art. Freund Grün, der auch in vielen Versammlungen zu den Mitgliedern sprach, war durch seinen überzeugenden Idealismus im Flörsheimer Verein hochgeschätzt. Dem Flörsheimer Arbeiterverein lag aber auch schon immer die ganze Familie am Herzen. Neben den Männerversammlungen gab es viele gemeinsame Veranstaltungen, so die jährliche Nikolausfeier für die Kinder am Nachmittag und die Advent- bzw. Weihnachtsfeier für die Erwachsenen am Abend. Durch rege Werbetätigkeit stieg die Mitgliederzahl auf 190 an.Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der hohen Arbeitslosigkeit - bis zu 70% der Flörsheimer Mitglieder waren arbeitslos - kam nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler und die NSDAP zunächst die Erschwerung und später das Verbot der Vereinstätigkeit. Unser Vorsitzender Peter Dieser wurde des öfteren von der Gestapo verhört. Ebenso musste er etliche Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Lehrer Großmann wurde als Staatsbeamten verboten, unseren Chor weiter zu dirigieren. Für ihn sprang das Mitglied und spätere Küster von St. Gallus Hannes Gall ein. Unser Freund Ferdinand Grün wurde ständig gehetzt und vielen Verhören unterzogen. Hans Wagner, der Werkjugendleiter aus Hochheim musste sogar im Gefängnis leiden. Er hatte aber das Glück, zu seiner Familie zurückkehren zu können, was vielen geistigen Führern der KAB (Nikolaus Groß, Bernhard Letterhaus, Dr. Otto Müller, Gottfried Könzgen, um einige zu nennen) nicht vergönnt war.Beim endgültigen Verbot 1935 wurden das gesamte Vereinsvermögen und das Inventar beschlagnahmt. Die geweihte Vereinsfahne wurde durch die Polizei aus der Kirche geholt und vernichtet. Trotzdem kam das Vereinsleben nie ganz zum Erliegen. In geheimen Zusammenkünften ermutigten sich die Mitglieder gegenseitig und sie sind zu 90% der Idee der KAB treu geblieben. Großen Anteil daran hatte auch der damalige Kaplan Jobst Brüning, der den erkrankten Präses vertrat und mit seiner Zuneigung zur Arbeiterschaft, seiner Unerschrockenheit und seinem immer währenden Humor manches Mitglied bei der Stange gehalten hat. Es folgten Jahre der stillen Arbeit während des unglückseligen Krieges. Fast alle jungen Mitglieder wurden zum Kriegsdienst einberufen, und leider mussten viele von ihnen ihr junges Leben für eine ungerechte Sache opfern. Nach dem totalen Zusammenbruch der Schreckensherrschaft im Jahre 1945 wollte man auch in Flörsheim den kath. Arbeiterverein sofort wieder neuerstehen lassen. Aber es gab zunächst innerkirchliche Hemmnisse. Anstelle der früheren Standesvereine sollten standesfreie Männer- und Frauenvereine gegründet werden. Erst nachdem Papst Pius XII. erklärte, dass in erster Linie Verbände und Vereine, die sich in Deutschland während der NS Herrschaft bewährt hatten, und dazu zählte er insbesondere die Kath. Arbeiterbewegung, neu gegründet werden sollten, hatte man frei Bahn. Für Sonntag, den 22. September 1946, um 20 Uhr, lud Vorsitzender Peter Dieser im Gasthaus "Zum Schützenhof" zu einer Wieder-Eröffnungsfeier ein. Der langjährige Arbeitersekretär des Bezirksverbandes Wiesbaden, unser Freund Ferdinand Grün und der neue Ortspfarrer Felix Gelhard hielten Ansprachen. Lehrer Großmann hatte auch wieder die Leitung des Chores übernommen, so dass diese Feier auch einen musikalischen Rahmen erfuhr. An Weihnachten gedachte man in einer bescheidenen Familienfeier der gefallenen und gefangenen Freunde und des 40. Jahrestages der Vereinsgründung. In der ersten Generalversammlung nach dem Neubeginn am 20.4.1947 konnte der Vorsitzende schon von 51 Neuzugängen berichten. Der Verein zählte 121 Mitglieder. Vierzehn tatkräftige Männer wurden in den Vorstand gewählt, darunter der ohne Unterbrechung bis heute tätige Kassenwart Franz Schuhmacher. Die Not der Nachkriegsjahre war natürlich beim schnellen Wiederaufbau ein beachtliches Hemmnis, denn gerade das Jahr 1947 übertraf alle davor liegenden an Härte. Es war auch die Zeit, in der Flörsheims Bevölkerung um mehr als ein Viertel wuchs, in der Flüchtlinge und Heimatvertriebene hier eine neue Heimat suchten. Doch gerade in diesen schweren Zeiten rückten die Menschen enger zusammen und halfen sich gegenseitig. Um allen Kindern bei der Nikolausfeier eine Tüte mit Süßigkeiten und Gebäck schenken und abends den Erwachsenen Kaffee und Kuchen vorsetzen zu können, sammelten die Vertrauensleute Geld und Sachspenden bei den Mitgliedern. Der Lebensmut der Flörsheimer war ungebrochen, und das Protokollbuch berichtet von einer Narrensitzung und einem lustigen Maskenball. Ein neues Banner wurde angeschafft. Den Verhältnissen entsprechend ein einfaches Tuch, aber mit dem Symbol vom Hammer-Kreuz als dem Kennzeichen christlicher Arbeiterschaft. Der Vertrauensmännerkreis wurde ausgebaut, um den Kontakt zu den Mitgliedern zu intensivieren. Getreu dem Motto Kirche in der Welt der Arbeit und Arbeiterschaft in der Kirche zu sein, setzte man sich auch außerhalb des Vereins ein. Viele Mitglieder engagierten sich in der Gemeindearbeit, der Pfarrei, in Betriebsräten oder gemeinnützigen Einrichtungen, wie dem neu gegründeten Flörsheimer Siedlungs- und Bauverein, der es sich zur Aufgabe gesetzt hatte, seinen Teil zur Verminderung der drückenden Wohnungsnot beizutragen. Auch der Westdeutsche Verband erlebte in diesen Jahren einen bemerkenswerten Neubeginn. Überall entstanden wieder kath. Arbeitervereine. DerZusammenhalt der jungen Vereine war groß. Als Kumpels aus dem Ruhrgebiet im Mainzer Dom am 23. Juli 1949 den Leuchter am Grabe Bischofs Ketteler wieder entzündeten, fuhr eine Abordnung aus Flörsheim auf einem LKW nach Mainz. Am Tag darauf nahm man an einer Kundgebung anlässlich der Hundertjahrfeier des Bischof-Ketteler-Sozialwerkes auf der Liebfrauenheide bei Offenbach teil. Die Aufbaujahre nach dem Krieg waren erfolgreich bewältigt. Da wollte man das insgesamt 50-jährige Bestehen wieder mit einem großen Fest feiern. Vom 15. bis zum 30. Juli 1956 zogen sich die Feierlichkeiten hin. Hier die Abfolge der Veranstaltungen: Gottesdienst, Totengedenken, Einkehrtag mit Diözesanpräses Alexander Stein, Bannerweihe, Gründer- und Jubilarenehrung mit dem Diözesanvorsitzenden, Oberregierungsrat Ferdinand Grün, Fackelzug mit anschließendem Festkommers, Redner war Verbandsjugendsekretär Hubert Horn, Weckruf, Bannerzug vom Vereinslokal zur Kirche, Levitenamt, Zelebranten Gründerpräses Geistlicher Rat Pfarrer Sand, dem Prediger Diözesanpräses von Trier Hubert Mockenhaupt, Feierstunde im Festzelt mit Gratulation der Vereine, großer Festzug, Kundgebung im Festzelt mit Verbandspräses Prälat Dr. Hermann-Josef Schmitt, Festball, Frühschoppen, Kinderfestzug, Kinderbelustigung auf dem Festplatz, Volksfest und Tanz, großes Brillantfeuerwerk und Wasserspiele der Freiwilligen Feuerwehr. Es war eines der größten Feste, das jemals von einem Verein in Flörsheim gefeiert wurde. In einer Festschrift wurde die Entwicklung der Flörsheimer KAB bis zum Jubiläumsjahr eindrucksvoll geschildert. Das Fest brachte einen Mitgliederschub. Die Zahl wuchs auf über 200 an. Für Vereinsausflüge mit Bus oder Bahn war die Zahl zu groß geworden. Deshalb mietete man 1957 erstmals ein Schiff für eine Rheintour, die seither alle zwei Jahre zu unterschiedlichen Zielorten angeboten wird. Der Gesundheitszustand des langjährigen Vorsitzenden Peter Dieser verschlechterte sich. Hermann Schneider, ein Sohn des Vicepräses Joseph Schneider aus dem Gründungsjahr, übernahm vorübergehend von 1957 bis1959 die Leitung der Sitzungen. In der Generalversammlung am 3. April1960 verzichtete Peter Dieser, der den Verein 33 Jahre mit Tatkraft, Mut und großem Engagement durch gute und durch schwere Zeiten geführt hatte, auf eine Wiederwahl. Die Versammlung wählte den 33-jährigen Georg Alhof zu seinem Nachfolger. Peter Dieser wurde Ehrenvorsitzender und übergab mit 182 Mitgliedern den Verein in jüngere Hände. Durch den tragischen Tod eines Sohnes von Peter Dieser trat auch in der Leitung der Gesangsabteilung 1960 ein Wechsel ein. Reinhold Richter über nahm die technische Leitung, die er bis heute innehat und gewann Hannes Gall, der bereits während der Nazizeit ausgeholfen hatte, als neuen Dirigenten.Nach dem leichten Durchhänger der Jahre 1957 bis 1959 entwickelte sich die Flörsheimer KAB unter dem neuen Vorstand mit einer intensiven Bildungsarbeit in regelmäßigen Monatsversammlungen, mit Aktionsrunden und dem Kernkreis sowie den Familienkreisen wieder zu einer aktiven Gruppe. Delegierte der Flörsheimer KAB waren auf Bezirks-, Diözesan- und Verbandsebene tätig. Mehrere Mitglieder waren als Gewerkschafter, Betriebsräte, Kommunalpolitiker oder gar Landespolitiker engagiert. Besondere Aktionen,wie z.B. die Sammlung für das Schwesternhaus in der Grabenstraße, für ein Missionskrankenhaus oder für die Aktion Sorgenkind durch ein Fußballspiel gegen die Flörsheimer Kolpingfamilie brachten neben den guten Werken dem Verein auch Ansehen und steigerten den Bekanntheitsgrad. Maßgeblichen Anteil an dieser positiven Entwicklung hatte neben Georg Alhof auch der Präses und damalige Kaplan Hans Wiedenbauer, der auch eine starke CAJ-Gruppe aufbaute, aus der später einige aktive KABler hervorgingen. Natürlich diente auch die Geselligkeit dem Aufwärtstrend. Neben denSchiffsausflügen wurden die althergebrachten Familienfeiern mit Theater mehr und mehr der Zeit angepasst.Die Gesangsabteilung erlebte unter Hannes Gall zunächst einen neuen Aufschwung und hatte viele Auftritte auch außerhalb des Vereins. Als der Elan etwas nachließ, stellte Gall 1971 vom reinen Männerchor trotz anfänglicher Widerstände sehr erfolgreich auf gemischten Chor um. Durch einen Beschluss des Verbandes konnten von 1973 an auch die Ehefrauen die volle Mitgliedschaft erwerben. Das stärkte den Zusammenhalt und wirkte sich positiv auf das Vereinsgeschehen aus. Als Georg Alhof in der Generalversammlung 1976, nach sechzehnjähriger erfolgreicher Tätigkeit zurücktrat, übergab er seinem Nachfolger Engelbert Kohl einen nach innen und außen gefestigten KAB-Verein. Zum 100. Todestag von Bischof Ketteler im Jahre 1977 hatte der Verband zu einem Jahr der Werbung aufgerufen. Der neue Vorsitzende griff diese Idee auf und konnte auch seinen Vorstand und die Bezirksleitung Rhein-Main dafür gewinnen. In Flörsheim und Eddersheim wurden große Werbeaktionen durchgeführt. Der Lohn: Mehr als 50 neue Mitglieder in Flörsheim und ein neuer KAB-Verein in Eddersheim. Die Vielfalt des Bildungsangebotes für die Mitglieder der katholischen Vereine brachte die Gefahr mit sich, dass man die Aktivitäten der engagierten Katholiken überforderte. So lag dem Vorsitzenden Engelbert Kohl sehr daran, die KAB-Bildungsarbeit in die der anderen Erwachsenenbildungsprogramme der Pfarrei einzubinden. Er fand dabei auch die Unterstützung durch den Präses Rolf Kaifer. Ergebnis war ein gemeinsames Halbjahresprogramm mit allen Angeboten. Man suchte auch neue Formen der Geselligkeit, wie z.B. eine 1. Mai-Waldwanderung, einen Kerbetanz und Kappesitzungen zur Fastnachtszeit, wozu die Räumlichkeiten im neugebauten Pfarrgemeindezentrum St. Gallusideale Voraussetzungen boten. Wichtige Ereignisse in dieser Zeit waren auch die Teilnahme an einem Pilgerzug nach Altötting-Burghausen anlässlich des 100. Todestages von Bischof Ketteler, sowie die Teilnahme an Großkundgebungen auf der Liebfrauenheide bei Offenbach, im Mainzer Dom, beim Kreuzfest in Frankfurtund schließlich beim Katholikentag in Freiburg. Auch die Beteiligung bei der 1150-Jahrfeier der Stadt Flörsheim 1978 sei erwähnt. Am Eröffnungskonzert nahm der Chor der KAB mit seinem neuen Dirigenten Josef Deinert teil, der Hannes Gall nach siebzehnjähriger Tätigkeit abgelöst hatte. Beim historischen Festzug erregte der mit viel Liebe zum Detail gefertigte Beitrag "Leinreiter" der KAB die Aufmerksamkeit der Besucher. Nach dem starken Mitgliederzuwachs auf über 300 wollte man das 75-jährige Bestehen wieder groß feiern. An zwei Wochenenden im Mai fandendie Veranstaltungen statt: Festakt, Totengedenken und Maiandacht am ersten Wochenende und ein großer bunter Abend, Festgottesdienst, Platzkonzert und eine öffentliche Kundgebung mit dem damaligen Bundesvorsitzenden Alfons Müller. Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht, auch durch viele Brudervereine des Diözesanverbandes. Bei der Kundgebung im Schattender altehrwürdigen Galluskirche folgten rund 600 Zuhörer den Ausführungen von Alfons Müller und sparten nicht mit Applaus. In geselliger Runde ließ man anschließend die Festtage im Galluszentrum ausklingen. Das qualitativ hochwertige Festbuch fand sehr viel Beachtung und Anerkennung. Mit weiteren Werbeaktionen aber vor allem mit einem ausgewogenen Programm zwischen reinen Bildungsabenden, religiösen Angeboten und geselligen Veranstaltungen und Ausflügen wuchs die Attraktivität der Flörsheimer KAB und die Mitgliederzahl. Die Kappesitzungen waren so gefragt, dass man Freitags-Abends einen vierten Sitzungstermin einschieben musste. Mitte der achtziger Jahre wurde mit 365 Mitgliedern der höchste Stand erreicht. Kein Pfarrgemeinderat, kein Vermögensverwaltungsrat ohne starke Präsenz von KABlern. Etliche Stadtverordnete und Magistratsmitglieder gehörten der KAB an. Es gab aktive Gewerkschafter, Betriebs- und Personalräte aus den Reihen der Flörsheimer KAB. Georg Alhof war Schöffe, Georg Badeck sogar MdL und Bundesvorsitzender der CDA. Die Flörsheimer KAB, allen voran der Vorsitzende selbst, waren fest eingebunden in die verbandliche Arbeit auf Bezirks-, Diözesan- und Verbandsebene. Fast zwangsläufig erfolgte so der Bitte an Engelbert Kohl, den Diözesanvorsitz zu übernehmen, den er dann 9 Jahre innehatte. In den neunziger Jahren stagnierte das Vereinsleben zwar auf hohem Niveau, aber man merkte deutlich, dass die Mitglieder älter wurden und der Elan nachließ. Die Bildungsabende wurden von immer weniger Personen besucht. Die Attraktivität der Kappesitzungen ließ nach. Die Teilnehmer der Einkehrtage gingen von Jahr zu Jahr zurück. Es konnten keine Nachfolger für ausscheidende Vorstandsmitglieder gefunden werden. Engelbert Kohl, der wegen beruflicher Belastung gerne den Vereinsvorsitz abgegeben hätte, um sich ganz auf seine Aufgabe als Diözesanvorsitzender konzentrieren zu können, fand im Verein keinen Nachfolger. Die Suche nach Vertrauensleuten oder Delegierten für Bezirks- und Diözesantage gestaltete sich zunehmend schwieriger. Es gelang nicht, die jüngeren Mitglieder in die KAB-Arbeit zu integrieren. Die natürlichen Abgänge konnten nicht mehr durch Neumitglieder ausgeglichen werden. Neunzig Jahre ist eigentlich kein Jubiläum, aber wir wollten es trotzdem gebührend feiern. "Gemeinschaft ist mehr, als zur selben Zeit am selben Ort zusammen zu kommen", war das Motto für Gottesdienst und Kundgebung in der Flörsheimer Stadthalle. Durch persönliche Beziehungen zu Bundesarbeitsminister Norbert Blüm aus seiner Berufszeit in den Opelwerken, hatte der Minister sein Kommen zugesagt, doch ausgerechnet der Papst JohannesPaul II. machte uns einen Strich durch die Rechnung. Sein Besuch in Berlin war als seelsorgerische Reise geplant und deshalb wurde auf ein Treffen mit der Bundesregierung verzichtet. Bundeskanzler Kohl entschied aber kurzfristig, mit seinem Kabinett am Abschlussgottesdienst im Berliner Stadion teilzunehmen, und dieser Gottesdienst lief zeitlich parallel mit unserer Kundgebung. Also musste uns Norbert Blüm absagen und schickte als Vertreter seinen Staatssekretär Wilhelm Hecker. Die 600 Festgäste in der Flörsheimer Stadthalle, darunter der Diözesanvorsitzende von Magdeburg Josef Schwenke mit seiner Frau Christa, waren natürlich enttäuscht. Denn so sehr sich Herr Hecker auch Mühe gab und eine inhaltlich gute Rede hielt, ihm fehlte die rhetorische Begabung eines Norbert Blüm. Aber auch ohne dieses Highlight wurde uns von allen Seiten zu dem gelungenen Jubiläum gratuliert. Alois Staudt hatte mit seiner Festpredigt begeistert. Der KAB-Chor und Organist Andreas Großmann beeindruckten musikalisch. In der Stadthalle verlieh Bürgermeister Dieter Wolf dem KAB-Verein die silberne Stadtplakette und zeichnete anschließend die beiden Vorsitzenden Engelbert Kohl und Reinhold Richter mit der silbernen bzw. bronzenen Plakette als Repräsentanten dieser KAB, aber auch für ihren persönlichen Einsatz in ihrer Heimatstadt aus. Musikalisch glänzte hier der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Musikverein 1954 Flörsheim. Im Foyer konnten sich die Besucher über das Ausbildungsprojekt der KAB in Menteroda an einer großen Litfasssäule informieren. Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gründete der Westdeutsche Verband das "Weltnotwerk der KAB". Viele Vereine waren darüber nicht glücklich, weil sie glaubten, neben Misereor und Adveniat sollte man den Katholiken nicht weitere Opferbereitschaft abverlangen. Engelbert Kohl sah das anders und als er 1976 den Vereinsvorsitz übernahm, startete er, unterstützt durch seinen Präses Pfarrer Rolf Kaifer, mit einer jährlichen Sammelaktion. Mit DM 1.740,00 hatte man einen verheißungsvollen Start. Das Sammelergebnis konnte kontinuierlich durch Verbesserung der Werbemaßnahmen und Ausdehnung des angesprochenen Spenderkreises gesteigert werden. Mit den 26 DM-Kollekten konnte dem "Weltnotwerk" die stolze Summe von DM 98.569,45 zur Verfügung gestellt werden, und die erste Euro-Kollekte erbrachte 3.124,09 €.Eine feste Stütze und ein Reservoir, aus dem immer wieder Vertrauensleute und Vorstandsmitglieder gewonnen werden konnten, war und ist die Gesangsabteilung. Keine Feier, kein Jubiläum, bei denen der Chor nicht zur Gestaltung beigetragen hätte. Viele Auftritte bei Brudervereinen und großen KAB-Veranstaltungen trugen zum Bekanntheitsgrad der Flörsheimer KAB bei. Eine besondere Auszeichnung war das Auftreten bei der Schlusskundgebung des Katholikentages in Fulda im Jahre 1954. Aber auch die Auftritte auf der Liebfrauenheide oder im Mainzer Dom oder am Fort Mainz bei den Ketteler-Gedenkfeiern bleiben in guter Erinnerung. Das 75-jährige Bestehen wurde mit einem großen Konzert, unterstützt durch das Flörsheimer Salonensemble, gefeiert. Mehrfach wurde der Chor auch zu Benefizkonzerten Flörsheimer Gesangsvereine eingeladen, was vom hohen Niveau des Chores und der guten Arbeit seiner Dirigenten spricht. Zuletzt gab man mit 12 anderen Chören ein Konzert zugunsten der Flutopfer.

Der Verein heute

Verhaltener Optimismus für die Zukunft. Statistisch gesehen ist unser Verein gar nicht so überaltert, doch die jüngeren Mitglieder sind fast ausnahmslos nur in der Fastnacht engagiert. Für die religiösgeprägte KAB-Arbeit waren sie bisher nicht zu begeistern. Dennochhabe ich die Hoffnung, dass zum einen christliche Werte wieder an Bedeutung gewinnen werden, wenn den Menschen die Grenzen des "Alles-Machbaren" bewusster werden und zum anderen glaube ich, dass der Trend zur Spaßgesellschaft, die nur fragt, was bringt es mir, mit der Zeit wieder einem Gemeinsinn Platz machen wird. Denn wer auf Dauer nicht nach den anderen fragt, der wird letztlich auch alleine keinen Spaß mehr haben. Gott hat nämlich den Menschen als soziales Wesen angelegt. Immerhin sind wir mit gut 260 Mitgliedern noch immer der stärkste Verein im Diözesanverband und vielleicht gelingt es uns ja durch Werbemaßnahmen in Verbindung mit der Einhundertjahrfeier 2006 der Flörsheimer KAB eine Frischzellenkur zu verabreichen.