KAB Waldernbach

Die Vorsitzende ist Rosel Schuld.

Zu erreichen unter 06476/1637.

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Katholischer Arbeiterverein Waldernbach

Erstellt von Edmund Schardt anläßlich des 100-jährigen Bestehens

Der katholische Arbeiterverein Waldernbach wurde im Jahre 1900 von Waldernbacher Bauarbeitern in der Gaststätte Lenchemann in Solingen - Wald im "Bergischen Land" gegründet. Zu diesem Schritt wurden sie von dem Kaplan Johannes Heß von der Pfarrei "St. Severin" in Köln ermutigt. Die Waldernbacher hatten vorher schon die katholische Arbeiterbewegung im Raum Köln kennengelernt und waren sich der Vorteile, die solche Vereine durch Aufklärungsarbeit in religiöser, politischer, arbeits- und sozialversicherungsrechtlicher Art boten, bewusst geworden. Die Bismarckschen Sozialgesetze waren erst 22 Jahre alt und noch längst nicht bei allen Arbeitgebern voll anerkannt. Die Gründung katholischer Arbeitervereine war die Antwort auf die Herausforderung einer zunehmend technisierten Industriegesellschaft und der Ausbeutung der Arbeitskräfte. Es war bezeichnend für die Katholischen Arbeitervereine, daß sie dort ins Leben traten, wo sich der seine Arbeitskraft verkaufende Arbeitnehmer besonderen Repressalien ausgesetzt war.

Erster Vorsitzender wurde der Spengler Wilhelm Hilpisch, erster Präses Pfarrer Enderich. Krankheitsbedingt mußte Wilhelm Hilpisch im Jahre 1902 das Amt des 1. Vorsitzenden abgeben; Georg Schuld übernahm nun die Leitung des Vereins. Der Verein wuchs und hatte schnell einen großen Stellenwert in Waldernbach; er war in dieser Zeit dem "Katholischen Volksverein Deutschland" angeschlossen.

Im Jahre 1905 konnte schon eine Fahne angeschafft werden; sie trug das Bildnis des Schutzpatrons des Vereins, des Heiligen Josef.

Im Jahre 1909 übernahm Philipp Zinndorf den Vereinsvorsitz und Pfarrer Müller das Amt des Präses. In dieser Zeit hatte der Verein bereits 60 Mitglieder.

Nach dem Tod von Philipp Zinndorf wurde der selbständige Zimmermann Johann Schäfer im Jahre 1926 Vorsitzender. Unter seiner Ägide wurde insbesondere die Kunst des Theaterspiels gepflegt. Leider verunglückte Johann Schäfer 1932 mit einem Motorrad auf der Fahrt nach Neunkirchen tödlich.

Bis zur zwangsweisen Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1936, wurde der Verein von Johann Legner geführt, neuer Präses war ab dem Jahre 1933 Pfarrer Peter Leibold.

In einer Niederschrift des Gendarmeriepostenbereichs Rückershausen vom 26.11.37, sind die beschlagnahmten Gegenstände aus dem Vereinsvermögen aufgelistet.

Die Niederschrift hat folgenden Wortlaut:
Verzeichnis des beim Katholischen Arbeiterverein Waldernbach beschlagnahmten Vermögens:
1 . Eine Fahne mit Stange
2. Ein Holzkasten
3. Ein Stempel
4. Ein Stempelkissen
5. Ein Mitgliederbuch
6. Zwei Protokollbücher
7. Zwei Beitragslisten
8. Ein Kassenbuch
9. Kassenbestand von 25,17 Mark
10. Schuldscheine von 137,00 Mark
Summa: 162,17 Mark

Die Richtigkeit obigen Verzeichnisses ist in der Vernehmung des Kassierers Georg Sohlbach bestätigt. Beschlagnahmte Gegenstände wurden, mit Ausnahme des Kassenbuches, der Schuldscheine und des Kassenbestandes von 25,17 Mark gegen Quittung im Tagebuch des 0. P. B. Waldernbach übergeben. Das Übrige wird durch Gend. Hptw. W. dem Landratsamt Weilburg überbracht.

Die Niederschrift über die Konfiskation des Vereinsvermögens wurde erst kürzlich bei alten Vereinsunterlagen gefunden.

Die Vereinsfahne wurde zwar beschlagnahmt, als sie aber abgeholt werden sollte, wurde sie von Waldernbacher Bürgern versteckt. Durch unsachgemäße Lagerung hatte die Fahne erhebliche Schäden erlitten, die erst zum 90 jährigen Gründungsfest durch Ordensschwestern aus dem Clarissa-Kloster in Balsbach/Odenwald, die die Kunst der Fahnenstickerei noch beherrschen, behoben wurden.

Nach Kriegsende erfolgte die Neugründung des Vereins bereits im Jahre 1946; erster Vorsitzender wurde Johann Hilpisch. Pfarrer Leibold wurde wieder Präses des Vereins. Ab dem Jahre 1948 waren die Patres Venantius, Anno und Cornelius aus dem St. Josefshaus (heute Hildegardishof) Präses des kath. Arbeitervereins.

An Pfingsten des Jahres 1950 wurde "Ein fünfzigjähriges Vereinsjubelfest" an zwei Tagen gefeiert. Am 1. Pfingstfeiertag wurde in der Pfarrkirche ein festliches Hochamt zelebriert. Die Jubiläumsfeierlichkeiten begannen erst am Abend.

Im Protokollbuch ist nachzulesen:
"Am Abend, pünktlich um 19.30, zog die ganze Gemeinde unter Vorantritt der Jubelfahne mit Musik zur Gedächtniskapelle. Zur Ehrung der Toten der gesamten KAB, des Lokalvereins und der gefallenen Helden der beiden Weltkriege. Kirchenchor und Männergesangverein wechselten in gehaltvollen Chören. Unser Präses P. Anno sprach Worte ehrenden Gedenkens und unter den Klängen vom guten Kameraden wurde der große Kranz im Inneren der Kapelle niedergelegt.

Mit einem nach Meinung des Schreibers, zu flotten Marsch verließen wir die Kapelle um auf dem Saale Link die Ehrung der Jubilare zu erleben. An langen weiß gedeckten Tischen nahmen die alten Herren, gemeinsam mit ihren Frauen oder nächsten Familienangehörigen, Platz; viel zu klein war der Saal um alle aufzunehmen, die gerne Zeuge dieser Feierstunde hätten sein wollen. Nach einem Musikvortrag und dem Lied "Der Tag des Herren" vom Männer Gesangverein vorgetragen, würdigte der Vereinsvorsitzende Johann Hilpisch die Verdienste der Gründungjubilare, die fern der Heimat im Solinger-Land den Verein ins Leben riefen und herzlich wünschte er allen noch einen gesegneten Lebensabend. Am 2. Pfingstfeiertag wurde das Hochamt vom Bezirkspräses, Herrn Pfarrer Reitz, unter Assistenz von den Patres Anno und Emmeran zelebriert. Die Festpredigt hielt der Diözesanmännerseelsorger, Herr Pfarrer Eckert.

Der Chronist Albert Sohlbach schreibt: "Um 1 Uhr begann das Einholen der Gastvereine. Um 2 Uhr formierte sich der Festzug unter Vorantritt der Jubelfahne und dem Gefährt mit den Jubilaren. Bei flotter Marschmusik bewegte sich der Zug durch die festlich mit Fahnen geschmückten Ortsstraßen zurück zur Festtribüne, von welcher zunächst Antonia Hilpisch klar und gut den Prolog sprach. Verbandssekretär Anton Juting, der als Festredner eigens von Köln zu uns gekommen war, ließ uns in einer, nach Meinung Vieler etwas zu hoch gehaltenen Rede, die Notwendigkeit des organisierten Zusammenschlußes des katholischen Arbeiters mit bewußt katholischer Zielrichtung sehen, denen als Wegweiser die großen Papstenzykliken dienen. Er sprach von Irrtümern der letzten Zeit, von Marxismus, Liberalismus, Individualismus etc., die keineswegs der Welt, insbesondere dem schaffenden Menschen, Segen und Glück brächten."

Im Anschluß an den Festakt fand im großen Saal des Schwesternhauses eine Bezirkstagung und Bezirksvorstandssitzung statt.

"Mit dem Abschluß dieser Tagung war auch der offizielle Teil des zweiten Festtages beendet und Alt und Jung hatten Ursache sich des, entgegen allen Erwartungen, sehr gut verlaufenen Festes von Herzen, und soweit es das Portemonnai jedes Einzelnen zuließ, zu freuen."

Anfang der fünfziger Jahre war der katholische Arbeiterverein der mitgliederstärkste Verein in Waldernbach und gleichzeitig auch der mitgliederstärkste Ortsverein in der gesamten Diözese Limburg.

Nach der Übernahme der Pfarrei Waldernbach durch Pfarrer Johannes Baum, übernahm er auch die geistige Führung im Verein.

Nachfolger von Johann Hilpisch als Vereinsvorsitzender wurde im Jahre 1966 Josef Kirschey.

Nach einem Streit über die Höhe des Anteils an den Mitgliedsbeiträgen der KAB-Zentrale in Köln, trat die KAB Waldernbach mit 104 Mitgliedern aus dem Verband aus und gründete einen selbständigen Arbeiterverein. Das Sterbegeld beim Tod eines Mitgliedes wurde fortan aus der Vereinskasse gezahlt.

Im Jahre 1972 übernahm ein Dreierpräsidium - Josef Schuld, Josef Eckert und Willi Eckert - die Vereinsführung.

Ab 1978 wurde erneut die Satzung geändert und es gab wieder einen Vorsitzenden. Nacheinander übernahmen Paul Buckard, Wilhelm Lichtenberg und ab 1988 Winfried Oster die Führung im Verein. Als Präses wirkten die jeweiligen Pfarrer von Waldernbach, Hans Jörg, Heribert Wolf und ab 01.02.1995 Werner Hannappel.

Einen Höhepunkt im Vereinsleben des Arbeitervereins war das 90jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe am 5. und 6. Mai 1990. In seiner Festrede ging der Verbandsvorsitzende der KAB, Helmut Neersen im besonderen auf die Grundsätze und Ziele der KAB ein. Die Gestaltung einer Gesellschaft auf der Basis der Prinzipien und Aussagen der Katholischen Soziallehre sei oberstes Gebot. Schirmherr des Gründungsfestes war der Hessische Sozialminister Karl-Heinz Trageser.

Der Dissens zwischen der KAB-Zentrale in Köln und dem Arbeiterverein ist inzwischen so weit behoben, dass 38 Mitglieder des Vereins auch wieder Mitglied in der KAB sind.

Am 18.3.2000 fand in der Westerwaldhalle der diesjährige KAB-Diözesantag statt. Wie wird sich die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung in Zukunft präsentieren? Diese Frage beschäftigte die Delegierten des Diözesantages, der unter dem Motto stand "Die Vergangenheit sichern - die Zukunft gestalten." Prof. Dr. Ernst Leuninger formulierte in seiner Rede klare Ansätze, nach denen sich die KAB vor allem für die Familienarbeit stark machen soll. Im Kampf gegen Sonntagsarbeit und Arbeitslosigkeit will die KAB als sozialer Verband im Bezug auf Familien verstärktes persönliches und politisches Engagement zeigen.

Der Arbeiterverein ist ein wichtiger Teil der örtlichen Gemeinschaft und der Arbeiterbewegung. Die Mitglieder leisten aktiv und verantwortungsbewußt ihren Beitrag im kirchlichen und öffentlichen Leben.

Die Kriegergedächtniskapelle wurde im vergangenen Jahr, anläßlich der Teilnahme von Waldernbach an dem Wettbewerb "Unser Dorf", von Vereinsmitgliedern renoviert und die nötigen finanziellen Mittel vom Verein zur Verfügung gestellt. Auch die weitere Betreuung und Bepflanzung der Außenanlage wird von Vereinsmitgliedern vorgenommen.

Die KAB Mitarbeiter halten Vorträge und Seminare über arbeitsrechtliche, kulturelle und religiöse Themen, sie bieten ihren Mitgliedern Rechtsberatung an und vertreten sie vor Arbeits- und Sozialgerichten.

Präsides und Vorsitzende des Katholischen Arbeitervereins Waldernbach

Präsidesvonbis
Albrecht Enderich1900       30.04.09
Nikolaus Müller01.05.0928.02.33
Peter Leibold01.03.3331.12.47
Pater Venantius sscc01.01.4830.08.49
Pater Anno sscc01.09.4931.10.50
Pater Cornelius sscc01.11.5021.04.52
Johannes Baum22.04.5230.09.73
Hans Jörg01.10.7315.04.89
Heribert Wolf06.04.8931.01.95
Werner Hannappel01.02.9531.12.10
Walter Henkes02.01.10
Vorsitzende:vonbis
Wilhelm Hilpisch1900        1902
Georg Schuld19021909
Philipp Zinndorf19091926

Johann Schäfer

19261932
Johann Legner19321936
Johann Hilpisch194614.01.66
Josef Kirschey15.01.6615.01.72
Josef Schuld - Josef Eckert - Willi Eckert16.01.7207.01.78
Paul Buckard08.01.7805.03.82
Wilhelm Lichtenberg06.03.8204.03.88
Winfried Oster05.03.8820.03.05

Rosel Schuld - Karlheinz Orth -
Winfried Oster

21.03.0528.03.09
Rosel Schuld - Karlheinz Orth29.03.09