25.06.2017

Kirchen und Gewerkschaft wehren sich gegen Pläne für uneingeschränkte Sonntagsöffnungen

Sonntagsallianz Limburg-Weilburg i. Gr. für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags

Kirchen und Gewerkschaft wehren sich gegen Pläne für uneingeschränkte Sonntagsöffnungen

Sonntagsallianz Limburg-Weilburg i. Gr. für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags

Limburg. Als einen weiteren, massiven Angriff auf die Rechtsgrundlagen der gesetzlich geschützten Sonntagsruhe insgesamt wertet die sich in Gründung befindende Allianz für den freien Sonntag Limburg-Weilburg die Forderung eines Bündnisses von Warenhaus- und Einkaufszentrumsbetreibern nach einer grundsätzlichen Freigabe von Sonntagsöffnungen.

"Es ist schlichtweg unwahr, wenn Karstadt-Chef Stephan Fanderl behauptet, Einkaufen sei aktuell ein fundamentaler Teil der Beschäftigung am Sonntag für die Menschen", erklärt Martin Mohr, Bezirkssekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Bezirksverband Limburg. So stellte sich vor kurzem die Mehrheit der Münsteraner Bürger gegen mehr Sonntagsöffnungen. "Wir haben erlebt, wie das Recht auf einen arbeitsfreien Sonntag und eine ausreichende Erholungsphase der Angestellten im Einzelhandel mit Shopping-Nights, Sonntagsöffnungen und der Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten bis 24 Uhr untergraben wurde. Mit dem Ergebnis, dass der Stress und die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie bei den Beschäftigten immer mehr zunehmen", so ver.di-Gewerkschaftssekretär, Fachbereich Handel Bezirk Wiesbaden, Marcel Schäuble. Bereits heute würden drei Viertel aller Beschäftigten im Handel samstags arbeiten, „das ist jetzt schon eine extreme Belastung für die Beschäftigten und ihre Familien. Eine Ausweitung der Sonntagsarbeit würde dies verschärfen. „

Die Arbeitgeber schmieden hier ein Bündnis für schlechte Arbeit und gegen Familien“, sagt Stefan Schneider, Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins Limburg-Weilburg.

Er verweist auf die geltende, klare Rechtslage, nach der es Städten und Kommunen erlaubt ist, nur bei einem hinreichenden Anlass Geschäfte sonntags zu öffnen.

Weder trage mehr Konsum am Sonntag dazu bei, die Innenstadt nachhaltig zu beleben noch schränke es den Internethandel ein: "Zudem sind die großen Warenhausketten längst Mitspieler im Onlinehandel. Verlierer werden einmal mehr die vielen kleineren Geschäfte in den Innenstädten sein, die die Kosten für Sonntagsöffnungen kaum stemmen können. Die Folge ist gerade dadurch eine zunehmende Verödung der Innenstädte", erklärt Helmut Sterzenbach, Kreisvorsitzender der CDA Limburg-Weilburg und Landesvorstandsmitglied der CDA Hessen.

„Der Schutz des Sonntags im Grundgesetz ist ein hohes Gut. Darin kommt zum Ausdruck, dass Menschen ein Recht auf Erholung und Zeit für Gemeinschaft, auf Ausübung ihrer Religion und auf persönliche Entfaltung haben. Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“ erklärt Pfarrer Joachim Naurath von der Profilstelle Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung des evangelischen Dekanats Runkel.

Die Sonntagsallianz Limburg-Weilburg i. Gr. sieht in dem Vokabular ("Waffengleichheit") und dem erneuten Versuch, den Sonntag zum Shopping-Tag zu degradieren, eine Verschärfung des Konfliktes. Sollten die gesetzlichen Regelungen gelockert werden, wäre dies ein Dammbruch, befürchtet die Sonntagsallianz Limburg-Weilburg i. Gr. . Weitere Branchen und Arbeitgeber würden auf Sonntagsarbeit drängen. Denn der Vorstoß der Warenhausbetreiber bedeute zwangsläufig, den arbeitsfreien Sonntag insgesamt in Frage zu stellen. "Mit uns wird es keine Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft geben, wo der Mensch zum Wirtschaftsfaktor wird und jeder Sonntag nur noch ein Werktag ist", so Paul Arthen, Vorsitzender des KAB-Ortsvereines Villmar. Marcel Schäuble (ver.di) kündigte an, auf Basis der bestehenden Rechtslage, die weiter durch das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nochmals bekräftigt wurde, für das Recht auf einen arbeitsfreien Sonntag im Einzelhandel zu kämpfen.